Hallo und willkommen beim SPICK Blog!
«Das war jetzt aber nicht gerade clever…» Der Satz ist schneller gesagt als gedacht. Im gleichen Moment sieht man vielleicht noch, wie das Kind kurz innehält. Vielleicht zuckt es mit den Schultern, vielleicht rollt es mit den Augen – und manchmal scheint es so, als würde es gar nicht reagieren. Und doch bleibt etwas hängen. Kinder lernen von uns und werden durch uns geprägt. Sie lernen, was geht und was nicht geht, was gefährlich ist und was erlaubt. Sie erleben, wie wir über sie reden und denken.
Auch wenn dein Kind nicht immer auf dich hört, hört es doch, was du sagst – und merkt es sich. Kinder hören mehr, als man denkt. Und noch wichtiger: Sie glauben es. Nicht immer sofort sichtbar, aber tief im Inneren entsteht daraus ein Bild. Ein Bild davon, wer sie sind. Und dieses Bild beeinflusst ihr Verhalten, ihr Selbstvertrauen und ihr Selbstwertgefühl. Die gute Nachricht ist: Genau diese Wirkung lässt sich bewusst nutzen. Worte können nicht nur verunsichern – sie können auch stärken, ermutigen und wachsen lassen.
Hier ein paar Anregungen, wie das gelingen kann:
- Wenn ein Kind sich bemüht, geduldig bleibt oder eine Aufgabe meistert, ist es hilfreich, dies auch klar und deutlich zu benennen. Nicht allgemein, sondern konkret.
- «Du warst gerade richtig wütend – und hast dich trotzdem im Griff gehabt.»
- «Du hast das Buch ganz allein gelesen.»
- «Mir ist aufgefallen, dass du heute von selbst an deine Aufgaben gedacht und sie erledigt hast.»
Solche Aussagen geben Orientierung. Sie zeigen dem Kind, was es gut macht – und dass es selbst Einfluss auf sein eigenes Verhalten hat.
- Positives hörbar machen – auch indirekt. Manchmal entfalten Worte ihre stärkste Wirkung, wenn sie nicht direkt an das Kind gerichtet sind. Wenn Kinder mitbekommen, wie positiv über sie gesprochen wird, entsteht ein anderes Gefühl. Weniger Widerstand, mehr Offenheit.
- «Er war heute richtig hilfsbereit.»
- «Ich habe das Gefühl, sie findet langsam Freude an den Hausaufgaben.»
- «Es macht einfach Spass, Zeit mit ihm zu verbringen.»
Solche Sätze erreichen Kinder oft auf einer tieferen Ebene.
- Vorsicht mit schnellen Bewertungen. Im Alltag passieren Fehler – auf beiden Seiten. Ein unbedachter Satz ist schnell gesagt. Entscheidend ist nicht, perfekt zu sein, sondern bewusster durchs Leben zu gehen. Statt das Kind zu bewerten, hilft es, das Verhalten zu beschreiben.
- Nicht: «Du bist unordentlich.»
- Sondern: «Die Sachen liegen noch auf dem Boden.»
Diese kleine Veränderung macht einen grossen Unterschied. Das Kind fühlt sich nicht grundsätzlich infrage gestellt.
- Das eigene Bild vom Kind überprüfen. Was innerlich über ein Kind gedacht wird, findet früher oder später seinen Weg nach aussen. Wenn ein Kind immer wieder als «schwierig», «laut» oder «faul» gesehen wird, färbt das auch die Sprache. Ein bewusster Perspektivwechsel kann helfen:
- Was läuft bereits gut?
- Wo zeigt das Kind Fortschritte?
- Welche Stärken sind vielleicht noch im Verborgenen?
- Worte als Fundament für das Selbstwertgefühl. Kinder glauben, was über sie gesagt wird. Sie tragen diese Aussagen in sich – als innere Stimmen, die sie begleiten. Manche stärken sie. Andere bremsen sie. Umso wertvoller ist es, ihnen Worte mitzugeben, die tragen. Worte, die Mut machen. Worte, die Entwicklung ermöglichen.
Es geht nicht darum, immer alles richtig zu machen. Sondern darum, sich bewusst zu sein, welche Wirkung Worte haben können. Denn aus vielen kleinen Sätzen entsteht mit der Zeit ein grosses Bild: Das Bild, das ein Kind von sich selbst hat. Und genau dieses Bild entscheidet oft darüber, ob ein Kind sich etwas zutraut, ob es an sich glaubt – und ob es seinen eigenen Weg mutig geht.
Herzlichst,

Esther und Alex Volz